Saturday, 6. september 2008 6 06 /09 /Sept. /2008 13:27

so. heut also. jetzt ist es so weit. zwei wochen nach beendigung meines urlaubs kommt es dann doch wieder über mich.
 

mir ist langweilig.

 

was tun? stillhalten und innerlich dabei zusehen, wie man blöde wird? im bürostuhl hin und herschwingen? gesichtsnuancen probieren, wie man auf kürzestem wege und ohne anstrengung vom einpenngesicht zum angestrengten bildschirmleser wird, wenn auf dem gang jemand vorbeikommt? ich habe da schon eine gewisse meisterlichkeit erreicht. ich muß mich nicht mal mehr aus der liegeposition erheben, schaffe das, auch in vollkommener körperlicher kapitulation eine aura von fleiß und emse um mich herum aufrecht zu halten.

das kommt nicht von ungefähr, ich habe jahre gebraucht, immer wieder mit kleinen, scheinbar unbedeutenden psychologischen guerillaaktionen den gesamten menschenapparat um mich herum zermürbt und mir ein festes fundament für eine nette zeit gelegt.

hihi.
 

so sachen wie mit geschlossenen augen kluge dinge sagen. das bild prägt sich ein und nach einer weile assoziiert man mich auch schlafend mit klugheit und geldwertem vorteil.

oder man trainiert sich selbst. zum beispiel ein vollkommen angespanntes gesicht zu machen, so daß man es förmlich knirschen hört und nicht nur der kopf, sondern scheinbar auch die nahe umgebung unter der zermarterung ächzt, innerlich aber vollkommen heiter und gelöst zu sein. es braucht jahre, bis dies wirklich glaubhaft gelingt. denn immer das gleiche gesicht wirkt auf die dauer maskenhaft und verdächtig. man braucht varianten, spielarten, die man virtuos einsetzen kann.

 

ich kann das.

 

zum beispiel jetzt. um meinem gesicht gerade, wie ich hier sitze und schreibe ausdruck im geschriebenen zu verleihen:

 

hhhhhhhggggggnnnnnnnhhhhhhhh!!!

 

das ist sehr anschaulich, finde ich,, und während ich das schreibe denken alle, die mich sehen, daß ich etwas zutiefst wertvolles verfasse und die qualen, die ich mir dabei auferlege, die menschheit wenn nicht gar retten, so doch zumindest noch ein bißchen voran bringen.

 

doch hinter haut und haar herrscht in etwa folgendes ambiente:

 

pfffffffffffffffffffffffffffffffffffffffvvvvvvvvvvvvvvvvwwwwwwwwwwww............... .

 

man beachte das auffallend kurze, eher fallengelassene aus hingeworfene p am anfang. fast völlig druckfrei, lediglich die eigene oberflächenspannung hält meinen aggregatzustand noch zusammen, dann mit einem winzigen, fast unmerklich gehauchten p entweicht alles ungemach und das konstrukt meines bisherigen aufenthaltes auf erden assimiliert vollständig in den äther.

 

zurück bleibt eine leere hülle, für ungeübte augen großes vollbringend, unbedingt achtbar, denn sie ruft manchmal "schönes wochenende" in den gang hinaus, wenn einer geht, ders schon hinter sich hat. und ausgesprochen wertvoll, denn sie tippt wie verrückt und runzelt den gesamten kopf dabei wie einen schwamm, der sich selbst auspresst. schön. gefällt mir sogar selber gut.

 

jaaaa. und was gibt es sonst noch zu sagen?? die gabi ist jetzt mit dem günther zusammen. günthers hund ist letztes jahr an würmern gestorben und klaus hat sein auto verkauft.
ich stelle meinerseits fest, daß mir so langweilig doch nicht ist bzw. daß das auch recht interessant sein kann, um genau zu sein.

aber ich mach dann doch immer mal ganz gerne was anderes und so richtig fällt mir jetzt auch nichts mehr ein.

von Knaukemanauke - veröffentlicht in: Briefe an Freundin
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Kommentare

na? lebt das gelangweilt schreibende wesen noch?
Kommentarnr1 gepostet von Aada am 4.10.2008 um 22h38
jau! ich hab allerdings eine weile lang geschlafen. der kollege, der immer kaffee kocht und mich dann damit gießt, war leider krank. oder er trinkt jetzt tee oder so, ich weiß auch nicht. jedenfalls bin ich noch da.
Antwort von Knaukemanauke am 9.10.2008 um 22h56

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Dieser Blog ist nicht etwa ein literarisches Machwerk, Fiktion und Tralala oder Hobbyschreibspaß. Meine Freundin, die auf den überaus lustigen Namen Tanja Pinkel manchmal hört, bloggt hier immer Mails, die ich ihr von Arbeit schreibe, wenn es mir dort nicht so gut geht. Alles ist echt und nichts erfunden. Auch wenn ich nicht genau weiß, was "bloggen" eigentlich ganz konkret sein soll, freiwillige Offenbarung, communes Händchenhalten, die Gazette der Herzen, der Rahm der Sauertöpfe... egal.

Die Tanja macht eben ihr Ding. Ich geh einfach nur zur Arbeit.

 
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