Tuesday, 15. july 2008 2 15 /07 /Juli /2008 22:51

haaallooo!

dein betrieb zerstört mein leben. ich bekomme überhaupt keine

mails mehr von dir. meine tage sind grau und öd. ohne dich hier im

steinbruch. ich hau mir manchmal absichtlich auf den finger, nur der

abwechslung wegen.
 

aber so richtig wie früher ist das nicht. das war lustiger, als du mir

manchmal noch geschrieben hast, von dienstfiguren, lakritzsoldaten und

der zauberhöhle mit dem riesen plasmabildschirm... haha, da hab ich

gelacht. jetzt ist alles anders. ich hocke hier auf meinem - äh -

felsen, zermahle steine und esse steinmehl, grau sind meine tage und

selbst die sonne bringt nur noch mehr grau ans tageslicht.

 

ooooch...

 

der himmel ist staubgrau, der boden auch so weit man sehen kann. da

horizont und himmel der farbe wegen miteinander verschmelzen, sieht man

aber gar nicht, wie weit man sehen kann und so gibt es nicht mal mehr

den raum um einen herum, sondern nur noch ein allgegenwärtiges grau- in

dem ich sitze und steine zermahle.mit anderen steinen.

ich hocke vor einem flachen grauen fels, den ich

aus lauter langeweile "tisch" getauft habe und schabe mit einem kleinen,

faustgroßen mausgrauen stein den ganzen tag darauf herum. das

entstehende mehl verstecke ich in hautfalten unter den achseln. ich

hoffe, eines tages ein loch in den fels geschabt zu haben, das groß

genug ist, daß ich meinen kopf hineinstecken und mit dem gesammelten

steinmehl aus meinen achseln begraben kann.

mit einem anderen stein kratze ich mir ab und zu am ohr. aber das ist

kein guter stein, immer glaube ich, stimmen zu hören, wenn ich ihn

aufhebe. manchmal antworte ich den stimmen, aber ganz leise, denn ich

möchte nicht, dass die anderen steinklopfer merken, daß ich schon

verrückt bin.

 

mitten im steinbruch, nicht weit von der stelle, an der ich festgekettet

bin, gibt es eine art quelle, aus der eine stinkende braune flüssigkeit

sickert. man läßt diese in eine vertiefung im boden tröpfeln und immer

drängen sich ausgemergelte gestalten um den schlammigen pfuhl und

schlürfen gierig die bittere substanz aus dem staub.

keiner spricht ein wort.

 

ich schabe stumm mit meinem stein herum und stiere trüb ins graue

nichts.

es war so schön, als du mir noch schreiben durftest.

 

 

von Knaukemanauke - veröffentlicht in: Briefe an Freundin
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Über diesen Blog

so ist das hier:

Dieser Blog ist nicht etwa ein literarisches Machwerk, Fiktion und Tralala oder Hobbyschreibspaß. Meine Freundin, die auf den überaus lustigen Namen Tanja Pinkel manchmal hört, bloggt hier immer Mails, die ich ihr von Arbeit schreibe, wenn es mir dort nicht so gut geht. Alles ist echt und nichts erfunden. Auch wenn ich nicht genau weiß, was "bloggen" eigentlich ganz konkret sein soll, freiwillige Offenbarung, communes Händchenhalten, die Gazette der Herzen, der Rahm der Sauertöpfe... egal.

Die Tanja macht eben ihr Ding. Ich geh einfach nur zur Arbeit.

 
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