Artikel teilen! steineklopfer: haaallooo! dein betrieb zerstört mein leben. ich bekomme überhaupt keine mails mehr von dir. meine tage sind ...
haaallooo!
dein betrieb zerstört mein leben. ich bekomme überhaupt keine
mails mehr von dir. meine tage sind grau und öd. ohne dich hier im
steinbruch. ich hau mir manchmal absichtlich auf den finger, nur der
abwechslung wegen.
aber so richtig wie früher ist das nicht. das war lustiger, als du mir
manchmal noch geschrieben hast, von dienstfiguren, lakritzsoldaten und
der zauberhöhle mit dem riesen plasmabildschirm... haha, da hab ich
gelacht. jetzt ist alles anders. ich hocke hier auf meinem - äh -
felsen, zermahle steine und esse steinmehl, grau sind meine tage und
selbst die sonne bringt nur noch mehr grau ans tageslicht.
ooooch...
der himmel ist staubgrau, der boden auch so weit man sehen kann. da
horizont und himmel der farbe wegen miteinander verschmelzen, sieht man
aber gar nicht, wie weit man sehen kann und so gibt es nicht mal mehr
den raum um einen herum, sondern nur noch ein allgegenwärtiges grau- in
dem ich sitze und steine zermahle.mit anderen steinen.
ich hocke vor einem flachen grauen fels, den ich
aus lauter langeweile "tisch" getauft habe und schabe mit einem kleinen,
faustgroßen mausgrauen stein den ganzen tag darauf herum. das
entstehende mehl verstecke ich in hautfalten unter den achseln. ich
hoffe, eines tages ein loch in den fels geschabt zu haben, das groß
genug ist, daß ich meinen kopf hineinstecken und mit dem gesammelten
steinmehl aus meinen achseln begraben kann.
mit einem anderen stein kratze ich mir ab und zu am ohr. aber das ist
kein guter stein, immer glaube ich, stimmen zu hören, wenn ich ihn
aufhebe. manchmal antworte ich den stimmen, aber ganz leise, denn ich
möchte nicht, dass die anderen steinklopfer merken, daß ich schon
verrückt bin.
mitten im steinbruch, nicht weit von der stelle, an der ich festgekettet
bin, gibt es eine art quelle, aus der eine stinkende braune flüssigkeit
sickert. man läßt diese in eine vertiefung im boden tröpfeln und immer
drängen sich ausgemergelte gestalten um den schlammigen pfuhl und
schlürfen gierig die bittere substanz aus dem staub.
keiner spricht ein wort.
ich schabe stumm mit meinem stein herum und stiere trüb ins graue
nichts.
es war so schön, als du mir noch schreiben durftest.
Dieser Blog ist nicht etwa ein literarisches Machwerk, Fiktion und Tralala oder Hobbyschreibspaß. Meine Freundin, die auf den überaus lustigen Namen Tanja Pinkel manchmal hört, bloggt hier immer Mails, die ich ihr von Arbeit schreibe, wenn es mir dort nicht so gut geht. Alles ist echt und nichts erfunden. Auch wenn ich nicht genau weiß, was "bloggen" eigentlich ganz konkret sein soll, freiwillige Offenbarung, communes Händchenhalten, die Gazette der Herzen, der Rahm der Sauertöpfe... egal.
Die Tanja macht eben ihr Ding. Ich geh einfach nur zur Arbeit.